Schön langsam langsamer

Als ich mich am zweiten Abend über eine weitere zu erwartende lange Etappe für Tag 3 äußerte, bekam ich als Antwort „Ist ja ein ganzer Tag Zeit dafür“. Eine schöne und passende Antwort mit einer Botschaft.

Stimmt, und ich habe es mir als Leitthema für Tag 3 vorgenommen. An den ersten beiden Tagen war ich noch mit einigem Druck unterwegs und bin sehr zielstrebig und energievoll gegangen. Da habe ich schon gemerkt, dass ich gerne in einen gemütlicheren Flow kommen möchte. Da braucht es wohl auch noch ein klares Loslassen. Den Druck kenne ich nur zu gut aus dem Alltag.
Interessant, dass dann aus der Etappe gleich eine 10 Stunden Tour wurde.
Und der Tag war zweigeteilt: Vormittags bis zur Mittagspause am Waxeneckhaus habe ich mein Tempo ziemlich reduziert und das Gehen war gemütlich. Rehe auf den Wiesen, wunderbare Fernblicke und traumhafte Waldwege. Schön, dachte ich mir, es funktioniert schon.
Am Nachmittag gab es eine komplette Wendung. Mein linkes Knie begann sich zu melden. Meine bekannte Schwachstelle. Aber jetzt schon?? War das ein Zeichen, noch langsamer und mit noch weniger Druck zu gehen? Also gut. Ich reduzierte weiter das Tempo, machte Pausen und nutzte Stöcke und meinen Kniestrumpf. Der Hohe Mandling wurde zur ziemlichen Herausforderung. Und ich hatte Bedenken beim Abstieg. 600 Höhenmeter steil bergab. Wie mit Krücken, Schritt für Schritt, um das Knie zu entlasten. Irgendwann kam der Gedanke, ob das jetzt dann schon das Ende der Tour sein soll? Die geplanten 7 Stunden 30 für den Tag waren schon lange aufgegeben und als neues Ziel zumindest vor 19 Uhr beim Gasthof zu sein. Irgendwie.
Doch mit jedem Schritt talwärts habe ich mich plötzlich mehr motiviert, das jetzt gut zu schaffen. Im inneren Dialog mit meinem Knie habe ich uns eingeschworen, dass wir das jetzt gemeinsam schaffen. Immer wieder. Meter für Meter.
Im Tal war ich glücklich! Das Knie tat weh, aber ich hab den Abstieg geschafft. Jetzt noch 1,5 Stunden Aufstieg zum Gasthof. Und da kam plötzlich wieder so viel Energie. Ein fulminanter Zieleinlauf mit hohem Tempo. Unglaublich, was Endorphine möglich machen! Ich war den ganzen Abend noch so gepusht, dass ich kaum ins Bett wollte.
Ich kenne dieses Gefühl auch von meinem Alltag. Dran bleiben, nicht aufgeben, fertig machen. Es heute so körperlich zu erleben, war wunderbar! Das betrifft mein Thema, meine Energie mehr nach außen bringen zu wollen statt nach innen. Und mich von nichts mehr zurückhalten zu lassen.

Jetzt kommen drei kürzere Etappen, auf die ich mich sehr freue. Pausen, genießen, in der Wiese sitzen und schauen. Ja, das fühlt sich gut an.

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